Handwerk blickt über den Horizont

  • Auszubildende fahren zum Auslandspraktikum nach England 
  • Bäckerei Baader und Metzgerei Zugmantel unterstützen Projekt 
  • Handwerker versprechen sich mehr Anerkennung für Berufe 

 

VON HANSPETER WALTER

Überlingen/Frickingen – Warum sollte für das Handwerk nicht ebenso gelten, was für Studenten fast selbstverständlich ist? Ein Auslandsaufenthalt erweitert die fachlichen Kompetenzen, fördert interkulturelles Verständnis und bietet Chancen für die individuelle Entwicklung der Auszubildenden. Dieser Ansicht sind zumindest Bäckermeister Josef Baader (Frickingen) und Metzgermeister Fridolin Zugmantel (Überlingen). „Im Handwerk tut sich etwas“, sagen sie unisono. „Und auch unsere Lehrlinge haben großes Interesse, den eigenen Horizont zu erweitern.“ Diese Gelegenheit wollen sie jetzt drei ihrer Auszubildenden bieten. Die angehenden Fleischereifachverkäuferin Katharina Schwehr, die Bürokauffrau Sarah Möhrle und Bäckereifachverkäuferin Ramona Schwer werden demnächst nach England aufbrechen, um vier Wochen in einem Betrieb zu arbeiten und in einer Familie zu wohnen.

Aus Sicht von Baader und Zugmantel ist dieses Projekt „Go for Europe“ der baden-württembergischen Kammern auch ein Beitrag, das Image der eigenen Branche aufzuwerten und die Anerkennung der Handwerksberufe zu fördern. Die Gleichstellung einer Meisterpüfung im Handwerk mit einem Bachelor-Studium sei schon ein wichtiger Schritt. „Wir brauchen natürlich Akademiker und Ingenieure“, sagt Fridolin Zugmantel: „Doch unsere Gesellschaft braucht auch im Handwerk guten und engagierten Nachwuchs.“ Dazu zählen nicht nur die drei Auszubildenden, die im März auf die Insel fliegen werden. „Es soll eine kleine Belohnung, ein Zuckerle für gute Lehrlinge sein“, sagt Bäckermeister Baader.

Bei ihren Auszubildenden haben Bäcker- und Metzgermeister geradezu offenen Türen eingerannt. Auf Anhieb eine „gute Idee“ fand das Katharina Schwehr, die in der Metzgerei Zugmantel ihre Ausbildung als ‚Fachverkäuferin Lebensmittelhandwerk Bereich Fleischerei’ absolviert, wie es inzwischen offiziell heißt. Das erstaunt nicht, viele Kunden nehmen die zupackende und kommunikative junge Frau aus Salem-Beuren schon als routinierte Verkäuferin wahr. Dabei ist sie gerade im zweiten Lehrjahr. Gemeinsam mit der angehenden Bürokauffrau fürs Handwerk, Sarah Möhrle aus Leustetten, wird die 18-Jährige nach Torquay in Devon an der Südküste Englands gehen. Ein echter Zufall ist es, dass sich eine Woche später Zwillingsschwester Ramona Schwehr, die Fachverkäuferin für die Bäckerei wird, auf den Weg nach Birmingham machen wird.

Das Trio sind die ersten Azubis in der Region, die diese Gelegenheit nutzen. „Wir wollen auch unsere Kollegen und andere Lehrlinge dazu ermuntern, dies zu ermöglichen“, sind sich Baader und Zugmantel einig und wollen ein Zeichen in zwei Richtungen setzen: „Wir wollen auch anderen Auszubildenden Mut machen.“ Bei einem Vorbereitungswochenende in Stuttgart wurden die drei Azubis darauf eingestimmt, was sie erwartet. Auch anschließend ist noch einmal ein Tag vorgesehen, bei dem sie ihre Erfahrungen austauschen können.

Mit sechs Jahren Englisch von ihrem Realschulabschluss haben alle drei solide Grundkenntnisse in der Sprache. „Da kann man sich schon durchkämpfen“, sagt Ramona Schwehr: „Doch für die eigene Persönlichkeitsentwicklung ist es sicher genauso interessant.“ Ihre Schwester Katharina ist schon gespannt auf das Essen. „Neugierig auf die Unterschiede bei Arbeitszeiten und Tätigkeitsbereichen“ ist Sarah Möhrle, die vor allem kaufmännische Aufgaben haben wird. Auch die angehende Bäckerei-Fachverkäuferin Ramona Schwehr wird in Birmingham nicht ganz so früh aufstehen müssen wie zuhause. „Die Läden machen dort wohl etwas später auf“ hat sie schon in Erfahrung gebracht. Was die drei konkret erleben, darüber wollen sie nach der Rückkehr wieder berichten. Versprochen ist versprochen.

 

Go for europe

„Go for Europe“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der baden-württembergischen Handwerkskammern, der Industrie- und Handelskammern und des Verbands der Metall- und Elektroindustrie Südwestmetall. Ziel ist die Internationalisierung der dualen Ausbildung, insbesondere durch die Förderung von Auslandspraktika der Auszubildenden. Unterstützt wird das Projekt auch vom Wirtschaftsministerium aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds. Die Service-Stelle bietet Informationen und Beratung, sie hilft auch bei der Suche nach einem geeigneten Betrieb und einer Partnerorganisation im Ausland. Teilnehmen können Auszubildende mit einem anerkannten Berufsbild, die Interesse und Motivation in einem Bewerbungsschreiben nachweisen müssen. Das Praktikum muss mindestens drei Wochen dauern und wird als Bestandteil der Ausbildung anerkannt. Dabei können die Teilnehmer einen so genannten „Europass“ erwerben, der europaweit anerkannt ist und sprachliche wie interkulturelle Kompetenzen ausweist.

www.goforeurope.de                                                                      

Kontakt in der Region: Industrie- und Handelskammertag, Verena König, Schützenstr. 8, 78462 Konstanz, Tel. 07531/2860-157, verena.koeng@konstanz.ihk.de

Kreishandwerkerschaft Bodenseekreis

Lindauer Straße 11
88048 Friedrichshafen

Telefon 07541/38792-0
Telefax 07541/38792-50
E-Mail info@khs-fn.de

Links

Energieagentur Bodenseekreis

Die Energieagentur fördert durch die Beratung privater Haushalte, Kommunen und Gewerbebetriebe den effizienten Einsatz von Energie und Ressourcen.

platzhirsche.net

E-Mail, Homepage & Marketing speziell für das Handwerk - effizient und kostengünstig.  

DAS HANDWERK
Die populäre Imagekampagne des Zentralverbandes des deutschen Handwerks:
Das Handwerk - Die Wirtschaftsmacht von nebenan.

Partner des Handwerks